Schürzenjäger nehmen Abschied

Sänger Steinlechner kritisiert Kurzlebigkeit der Musikbranche - Konzert in Saarbrücken

Saarbrücken. Zwar heißt ihr aktuelles Album "Lust auf mehr", doch jetzt gehen die Schürzenjäger "Sierra Madre" nach mehr als 30 Jahren auf Abschiedstour. Morgen machen sie dabei auch Station in Saarbrücken. Mit Schürzenjäger-Sänger Peter Steinlechner sprach SJ-Mitarbeiter Marko Völke.

Wie kam es zu der Entscheidung, die erfolgreiche Karriere der Schürzenjäger zu beenden?

Steinlechner: 35 Jahre sind eine sehr, sehr lange Zeit. Ich war immer sehr konsequent in meinen Entscheidungen - und das auch in diesem Fall: Ich habe immer gesagt, wenn man nicht mehr spürt, dass man etwas 100-prozentig machen will, weil man noch andere Interessen hat, dann muss man ehrlich zu sich selbst und vor allen Dingen auch zu dem Publikum sein. Und dann muss man eine solche Entscheidung treffen.

Ein Comeback ist ausgeschlossen?

Steinlechner: Ich bin nicht Johannes Heesters und kann ohne Bühne leicht leben. Und ich bin auch nicht Heino. Die Entscheidung ist endgültig.

Was machen sie in Zukunft?

Steinlechner: Ich schreibe seit 18 Jahren Tagebuch. Da ist es natürlich auch mal an der Zeit, dass ich das Ganze aufarbeiten möchte und vielleicht eine Buch-CD oder Geschichten schreibe.

In Ihren Texten haben immer Werte wie Freundschaft eine wichtige Rolle gespielt. Was wird aus der Freundschaft zu den Band-Mitgliedern?

Steinlechner: Wir leben hier ja praktisch Tür an Tür zusammen und sind auch in Kanada quasi Nachbarn. So gesehen ist das kein Thema. Zurzeit proben wir ja gerade. Dabei haben wir viel Spaß, ew wird viel gelacht. Ich find, es ist einfach ganz normal zu sagen: Man hat alles gemacht, erreicht - mehr, als man sich je erträumt hat. Dann muss man konsequent sein und sagen: Jetzt machen wir etwas anderes.

Gab es etwas in Ihrer mehr als 30-jährigen Karriere, dass Sie heute anders machen würden?

Steinlechner: Was nützt es, wenn man im Nachhinein sagt: Das hätte ich vielleicht anders machen können oder sollen. Das ist spekulativ. Ich denke, so wie es war, war es okay.

Welches sind Ihre schönsten Schürzenjäger-Erinnerungen?

Steinlechner: Praktisch jedes gute Konzert ist eine schöne Erinnerung. Doch die schönsten Dinge spielen sich ja meistens sowieso im Privaten ab. Wenn die Kinder gesund sind und die Familie okay ist, sind das Dinge, die im Nachhinein gesehen viel wichtiger waren.

Wie hat sich das Musikgeschäft in Ihrer langen Karriere verändert?

Steinlechner: Grundsätzlich ist es so, dass alles sehr kurzlebig geworden ist. Wenn man heute ein Gerät kauft, ist es übermorgen schon wieder alt. Diese Tatsache setzt sich durch alle Lebensbereiche fort. Auch in der Musik. Als ich jung war, gab es Hits, die zwei oder drei Monate erfolgreich waren. Heute ist etwas eine, maximal zwei Wochen Nummer eins, dann ist es weg und das nächste kommt. Ich glaube, dass den Künstlern heute zu wenig Zeit gegeben wird, sich zu entwickeln. In meiner Zeit haben die Plattenfirmen ein Projekt drei, vier, fünf Jahre aufgebaut und in es investiert. Heute wird gepusht, verkauft, fallen gelassen. Da fällt natürlich auch viel Kreativität durch den Rost. Auch wenn heute ein Computer entscheidet, ob Deine Nummer gespielt wird, ist das doch kein Zustand.

Karten zum Konzert der Schürzenjäger am 21. März, 20 Uhr, in der Saarlandhalle Saarbrücken gibt es unter anderem bei der SZ, Tel. (06 81) 5 02 55 22, und bei Kultour, Tel. (06 81) 58 82 22 22.

Saarbrücker Zeitung vom 20.03.2007

Wie Popstars gefeierte Volksmusikanten

Saarbrücken. Seit mehr als 30 Jahren füllen die Schürzenjäger mit ihren Hits die großen Konzerthallen. Nun löst die Band sich auf. Ihre Abschiedstournee Lust auf mehr führt die Musiker morgen in die Saarbrücker Saarlandhalle.

Die Volksmusikanten, die während ihrer Auftritte wie Popstars gefeiert werden, versprechen noch einmal einen Querschnitt durch ihr Repertoire von Sierra Madre bis zum Zillertaler Hochzeitsmarsch. Was in ihren Liedern immer eine Rolle spielt: die Liebe zu ihrer Heimat, dem Zillertal im österreichischen Bundesland Tirol. Dort, in dem gerade mal 1500 Einwohner zählenden Zillertal-Ort Finkenberg, findet am 21. Juli auch ihr großes Abschlusskonzert statt.

20Cent verlost ein Aktiv-Wochenende für zwei Personen im Zillertal mit zwei Übernachtungen inklusive Halbpension. Die Gewinner können auf den Mountainbike-Strecken oder den kilometerlangen Wanderrouten rund um die Dreitausender das Naturreservat Zillertal entdecken und die vielen urigen Hütten besuchen.

Morgen, 20 Uhr, Saarbrücken Saarlandhalle. Tickets gibt`s ab 33,20 Euro plus Gebühren bei allen CTS-Vorverkaufsstellen. 20Cent verlost fünf Mal zwei Tickets für das Konzert und ein Aktivwochenende für zwei im Zillertal. Schicken Sie für die Karten eine SMS an 82444 (Kosten: 49 Cent). Text: 20Cent Schürzenjäger, Name, Vorname. Oder rufen Sie an unter Tel. 01379/37004705. Schicken Sie für die Reise eine SMS an 82444. Text: 20Cent Zillertal, Name, Vorname. Oder rufen Sie an unter Tel. 01379/37004707 (Kosten pro SMS: 49 Cent, pro Anruf 50 Cent aus dem deutschen Festnetz).

20Cent vom 20.03.2007

Tränen für die Alpenrocker

Schürzenjäger nahmen Abschied von saarländischen Fans

Saarbrücken. "Die Party is no lang net aus", stellten die Schürzenjäger am Mittwochabend bei ihrem Saarbrücker Konzert klar. Und die Stimmung in der Saarlandhalle brodelte. Auf den Stühlen hielt es da niemanden. Obwohl die seit 35 Jahren bestehende Gruppe zurzeit auf Abschiedstour ist, war von Abschiedsstimmung keine Spur.

"He, he, jo", "Logo, logo", "Oh, oh, oh" - bei den Songs der Alpenrocker erwies sich das Publikum als äußerst textsicher. Und in den Liedern spiegeln die Musiker nicht nur die schöne, heile Welt wieder. In "Verlorenes Paradies" etwa geht es um den Umweltschutz. "Ihre Texte sind auch sehr sozialkritisch", sagte Sandra aus Saarlouis unserer Zeitung. Neben Titeln aus ihrer neuen "Lust auf mehr"-CD sorgte die Band außerdem immer wieder mit aus ihrer langen Karriere für "Ah"-Erlebnisse bei den Fans. Auch an ihre Ursprünge erinnerten sie mit Liedern wie "Mein Tirol". Dabei haben sie sich längst von Volksmusikern zur Pop- und Roch-Band gewandelt. Erfolge wie "Sierra Madre" spielten sie im neuen Gewand, zum Beispiel im Samba-Takt.

Als sich die Schürzenjäger dann gegen 23 Uhr mit dem Lied "Einmal muss jeder gehen" endgültig von ihrem saarländischen Publikum verabschiedeten, kam bei vielen doch ein wenig Wehmut auf. Einigen standen die Tränen in den Augen. "Es ist schon ein bisschen schade, dass sie aufhören. Aber das muss man verstehen". sagte Herbert Sarther. Der Homburger ist seit über 15 Jahren ein treuer Fan der Band und besucht regelmäßig deren Heimatort Finkenberg. Dort geben die Musiker am 21. Juli ihr allerletztes (Open-Air-) Konzert. Aber: Wie sagte Sänger Peter Steinlechner: "Wer weiß, was die Zeit bringt". Bei dem Spaß, den die Band bei ihrem Auftritt hatte, wäre es nicht verwunderlich, wenn sie doch "Lust auf mehr" bekommen würden ...

Saarbrücker Zeitung vom 23.03.2007

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